Kassette 34b - Leben nach dem Tod, Bayern II (1981-03-17) KI-Transkription (AssemblyAI), automatische Sprechertrennung, ungeprüft. Sprecher A/B/… noch nicht namentlich zugeordnet. — Auflösung: pro Sprecher-Turn — [0:04] Sprecher A: und beginnt erst in diesen Tagen mit der Publikation seiner Überlegungen. Was nach außen hin zunächst wie ein rein physikalisches Gedankengebäude aussieht, birgt jedoch weltanschaulichen Zündstoff von heute noch kaum überschaubarer Brisanz. Das Heimsche Weltmodell überschreitet die Grenzen des vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuums, das uns seit Einsteins Arbeiten allmählich vertraut geworden ist. Und zwar fügte Heim den 3 räumlichen und der 4. zeitlichen Dimension noch 2 weitere zeitähnliche Dimensionen hinzu. Man könnte sie als immaterielle und auch nicht-energetische Seinsweisen betrachten, die gewissermaßen als Organisatoren des Weltgeschehens und als Auswahlprinzip fungieren. Von hier aus kommt Heim zu neuartigen Gedanken über die Entstehung und das Wesen des Lebens und endlich auch über die Möglichkeit eines Weiterexistierens von Bewusstsein und Persönlichkeit nach dem Zerfall des materiellen Lebensträgers, also des Körpers. Heim ist bislang noch kaum bekannt. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man berücksichtigt, dass er, 19-jährig, durch ein Explosionsunglück 1944 beide Hände, nahezu das gesamte Sehvermögen und Teile des Gehörs verlor. Aber Heims Forschen in der Stille hat noch einen anderen Grund. Um sein neues Weltmodell aufzubauen, war es notwendig, einen völlig neuen Begriffsapparat zu erstellen, der erst jetzt in seiner Geschlossenheit vorgelegt werden kann. Der theoretische Hintergrund der Heimschen Physik, die viele Ungereimtheiten des heutigen Weltbilds zu erklären vermag, scheint stimmig zu sein, wie beispielsweise seine Gleichungen und Voraussagen über die Eigenschaften und die strukturellen Zusammenhänge der Elementarteilchen zeigen. Dieser Teil wird gerade zur Veröffentlichung vorbereitet. Es handelt sich um den zweiten Band seiner auf 3 Bände angelegten Elementarstrukturen der Materie. Während diese Arbeiten nur dem Quantenphysiker etwas sagen dürften, lässt sich bei entsprechendem Bemühen seine Studie über die Nachtodzustände bei aller Abstraktheit ihrer Aussagen, auch von Nichtphysikern durchaus nachvollziehen. Sie trägt den Titel: Postmortale Zustände. Dabei ist das Fragezeichen im Titel wichtig, denn Heim gibt keine fantasievollen Beschreibungen jenseitiger Welten, sondern baut einen komplexen Begriffsapparat einer 6-dimensionalen Weltgeometrie auf, der mehr als 100 neue bzw. neu definierte Begriffe und Bezeichnungen enthält. Der Grund dafür ist einsichtig: Die von Heim angestrebte einheitliche Quantenfeldtheorie mit der vielgesuchten Weltformel muss möglichst alle Aspekte der Wirklichkeit sowohl in quantitativer wie auch in qualitativer Hinsicht exakt beschreiben können und muss damit nicht nur das Problem des Lebens, sondern auch die Frage des Schicksals der Persönlichkeit des Menschen jenseits physikalischer Strukturen einbeziehen. Burkhard Heim hat im Rahmen der Kongresse von Imago Mundi einige allgemein verständliche Vorträge gehalten, die in den gleichnamigen Jahresbänden dieser Gesellschaft veröffentlicht wurden, und zwar genau wie Heims Bücher vom Verlag Andreas Resch in Innsbruck. Unser Interview beginnt mit einigen allgemeinen Betrachtungen zu Heims neuem Weltmodell, die den notwendigen Hintergrund seiner Überlegungen über die postmortalen Zustände herstellen. Es schließt ab mit Heims eigenen Erfahrungen der Todesnähe, die nicht unerheblich zu seinem Interesse an diesen Fragen und letztendlich auch zur Entstehung seiner Neuen Physik beigetragen haben. Wer sich auf Heims Thesen einlässt, muss sich allerdings darauf gefasst machen, dass es ihm nicht leicht gemacht wird. Seine Gedankengänge sind hoch komprimiert und müssen wirklich studiert werden. Sie haben einige Schriften publiziert, die das Ergebnis von ungefähr 30 Jahren Arbeit sind. Sie haben früher nichts publiziert. Was jetzt an die Öffentlichkeit gelangt, ist ein, ich möchte mal sagen, ein neues Modell der Wirklichkeit, ein neues physikalisches Weltbild. Wie sieht dieses neue Modell der Wirklichkeit aus? [4:26] Sprecher B: Ob wirklich ein neues Weltbild vorliegt, weiß ich nicht. Es ist möglicherweise eine etwas andere Sicht der Welt. Es wäre abzuwarten, ob diese neue Sicht wirklich auch zu einem neuen Bild dieser Welt führt. Zunächst einmal wäre zur Methodik zu sagen: Es handelt sich, um es gleich abzugrenzen, zunächst um eine Theorie mathematisch-physikalischer Art der Materie. Diese Selbstbeschränkung wird notwendig, weil gerade bei der Beschreibung der Materie die vorhandenen mathematischen Methoden verwendet werden können. Der Versuch einer einheitlichen mathematischen Beschreibung dieser materiellen Welt kann nur eine solche ihrer materiellen Letzteinheiten und deren Wechselwirkungen sein. Das heißt, wir brauchen eine einheitliche Beschreibung der sogenannten Elementarpartikel, die hochenergiephysikalisch, also rein empirisch, aufgefunden werden konnten, deren einheitliche Beschreibung aber sehr schwierig erscheint, weil diese Partikel sehr viele, sich teilweise ausschließende und widersprechende Eigenschaften haben und weil sich die Zahl der Elementarpartikel ständig vergrößert hat, und zwar die Zahl der empirisch aufgefundenen Elementarpartikel. Bei unseren Bemühungen, ich spreche hier im Plural, weil ich die Mitglieder meines Arbeitskreises meine, also in unserem Kreis wurde versucht, von einem möglichst geringen Volumen gut abgesicherter, aber fundamentaler empirischer Sätze im Sinne empirischer Prinzipien auszugehen, die man auch quantitativ formulieren kann. Es kam nur darauf an, das Volumen dieser Sätze klein zu halten, und sie so aus der Fülle der Empirie so auszuwählen, dass eine möglichst geringe Zahl solcher Sätze verwendet wird. Sozusagen ist auf diese Weise ein intellektueller Bahnhof gebaut worden, von dem nun die intellektuelle Reise mit den Mitteln der mathematischen Naturbeschreibung beginnen konnte. Eins war klar, wie ich es schon sagte: Eine einheitliche Theorie der materiellen Welt. Also die theoretische Erarbeitung eines übergeordneten Naturprinzips kann nur eine Theorie dieser Letzteinheiten unserer materiellen Welt sein. Nun unterscheidet sich der Versuch, den wir unternommen haben, von den übrigen, Versuchen dieser Art, die auch mir bekannt sind. Hier könnte die andere Sicht der Dinge teilweise ausgedrückt werden. Wir müssen von irgendeiner empirischen Partikeleigenschaft ausgehen, die sämtlichen Partikeln gleichermaßen zukommt und die nie den Wert 0 erreicht. Nun, es gibt nur 2 Partikeleigenschaften, die diese Eigentümlichkeit erfüllen. Das ist die Existenzzeit und die Masse, oder anders ausgedrückt, die Energie, die diese betreffende Partikelstruktur verwirklicht. Beide Größen sind von null immer verschieden, denn wäre eine Partikel ohne Existenzzeit gegeben, dann würde sie in diesem Dasein gar nicht wahrnehmbar sein. Und ist die Masse gleich null, dann wäre die Partikel nicht existent. [8:49] Sprecher A: Nun ist das ja eine Betrachtungsweise, die aus dem physikalischen Bereich stammt. Gibt es von Ihren Überlegungen auch praktische Konsequenzen, die das Weltbild des Alltags betreffen? Sie unterscheiden ja verschiedene Schichten des Seins. [9:09] Sprecher B: Ja, man muss hier eine Frage stellen. Die Frage würde lauten: Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, über den Bereich des physikalischen Modells hinauszutranszendieren, also gewisse Grenzen zu überschreiten? Das würde bedeuten, dass man davon Kenntnis nehmen muss, dass es in dieser Welt nicht nur Kollektiven atomistisch gebauter Materie gibt. Dann muss ich darüber Rechenschaft abgeben, dass es mindestens auf einem Gestirn dieses Universums Materie auch im Zustand des Lebens findet, ein Zustand, der sich zeitlich evolviert zu immer komplexeren Formen. Wenn man nun Grenzen überschreiten will, dann liegt es nahe, die Grenze zu überschreiten vom Bereich des Physikalischen, des Physischen in den Bereich des Bios, des biologischen Geschehens. Aber um diese Grenze zu überschreiten, muss man sich Rechenschaft ablegen darüber, dass die Welt entweder rein physischer Natur ist, dann ist sie auch mathematisierbar und physikalisierbar, und es besteht dann die Hoffnung, den Lebensprozess, trotz der sich immer größeren Komplikationen irgendwann einmal doch einheitlich zu beschreiben und auf eine Theorie der Materie zurückzuführen. Nun könnte man einmal unterstellen und rund behaupten, diese Welt sei physischer Art. Wenn ich jetzt eine einheitliche Beschreibung der Materie vorliegen habe und ich würde jetzt rein empirisch den Begriff des Lebens induzieren, könnte ich natürlich mit den physischen Methoden die lebenden Organismen untersuchen und komme dann zu einer Beschreibung dieser Desoxyribonukleinsäure-Doppelhelix, die praktisch wie ein Lochstreifen zu lesen ist, ist ein kollinear zu lesender Tripletcode. Und man könnte jetzt natürlich die Frage stellen, wenn diese weltphysischer Natur ist, dann müsste es möglich sein, alle überhaupt denkbaren Lebensstrukturen und Lebensformen einschließlich der schon vergangenen und der existierenden auf die Quantentheorie der Valenzschalen von 6 Atomsorten, nämlich Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Phosphor und Schwefel zurückzuführen, weil das die Atomsorten sind, die die Nukleotide der DNS aufbauen. Aber hier vergisst man jetzt eins: Man würde ja fordern, dass man aus den logischen Sätzen eines untergeordneten Systems, nämlich des Systems der Valenzschalen, logische Sätze eines übergeordneten Systems, nämlich der Strukturen herleitet und der Organisationen. Das scheint mir nicht möglich. Zu sein. Man betrachtet eine Kathedrale und stellt fest, dass die Kathedrale aus Ziegelsteinen gebaut ist. Dann wird es ein vergebliches Bemühen sein, zu versuchen, die Architekturgesetze der Kathedrale zu begreifen, indem man einen Ziegelstein immer genauer vermisst und immer mehr über seine Eigenschaften, seine Länge, Breite, Höhe, seine Materialzusammensetzung weiß. Das wäre eigentlich ein völlig sinnloses Unterfangen, Wenn ich aber andererseits die mit den Abmessungen des Ziegelsteines nicht mehr zusammenhängenden Architekturgesetze der Kathedrale als übergeordnete System logischer Sätze kenne, dann kann ich ohne Weiteres begreifen, warum die eine oder andere Ziegelsteinsorte besonders geeignet ist, die Kathedrale zu erstellen. So sieht es mir hier auch aus. Ich habe zwar physikalische Gesetze, die der Atomhüllenstruktur und der molekularen Bindung. Aber hierbei handelt es sich— dieses Gefühl werde ich nicht los— letzten Endes nur um die Ziegelsteine, aber nicht um die Architekturgesetze, die möglicherweise außerhalb dessen liegen, was quantitativ formulierbar ist. Das heißt, wir müssen neben der physischen Welt mindestens noch einen Bereich von Gesetzmäßigkeiten annehmen, nämlich die Gesetze eines Bios. Die physikalisch gar nicht vollständig formulierbar sind. Zum Teil natürlich, weil das biologische Geschehen immer eine quantitative Komponente hat. Aber wenn ich diesen Satz ausspreche, dann steht das im krassen Widerspruch zur gemachten Behauptung einer rein physischen Welt. Das heißt, die Voraussetzung ist ganz einfach falsch. So kann man weiterschließen noch auf einen Bereich der Psyche und einen Bereich des Mentalen. Die Frage ist nur, von welcher Basis geht dies aus? Ich kann zweifellos niemals von einem erkannten Teil der Welt, nämlich dem physischen Teil, trotz einer einheitlichen Theorie der Elementarpartikel, ich kann nicht von diesem Teil auf eine unbekannte übergeordnete Ganzheit schließen, die zweifellos existiert, Weil der Schluss einer Reductio ad absurdum funktioniert, wenn man die Welt als reine Physis unterstellt und den Lebensprozess induziert, empirisch. Aber wenn der direkte Schluss nicht möglich wird, dann kann man zumindest versuchen, auf indirektem Wege zu schließen. Man befindet sich offenbar hier in einem Grenzbereich, dessen Transzendierung etwas sehr Entscheidendes ist, denn die 4 Konturierungen des menschlichen Seins sind: Physis, Bios, Psyche und im mentalen Bereich das Pneuma, erscheinen uns möglicherweise nur deshalb getrennt und sich teilweise ausschließend, weil unsere Denkgewohnheiten sich besonders auf diesen Aspekt des Quantitativen beziehen. Ich habe einen Überblick über solche Berührungen gegeben in einem Buch, das kürzlich erschienen ist, und zwar trägt es den provozierenden, absichtlich provozierenden Titel Postmortale Zustände, allerdings mit dem Fragezeichen versehen. Und hier werden solche Fragen untersucht, denn wenn wir etwas über das menschliche Sein erfahren wollen, müssen wir zunächst die Frage nach dem Lebendigen schlechthin stellen, Das heißt, wir müssen untersuchen, wie der Lebensprozess in das kosmische Bild, das ich vorhin entwickelt habe, integriert werden kann. Und das habe ich in dieser Schrift versucht. Sie ist allerdings sehr verdichtet geschrieben und deswegen natürlich auch schwer verständlich. Aber diese Frage wird ja aufgerollt, es werden Methoden aufgezeigt, wie man gewisse Grenzbereiche transzendieren kann, kann dann über andere Bereiche eben machen. Natürlich würde, wenn man diese Schrift kommentiert und positiv kommentiert, werden sich daraus allerdings tatsächlich einige Aussagen über menschliches Dasein und insbesondere über die menschliche Personalität, über diese psychische Entität, machen lassen, die eigentlich das Ich-Bewusstsein schlechthin ausmachen. Ich möchte gleich sagen, das Buch ist nicht sehr erfreulich zu lesen für viele. Es ist erstens kein erbauliches Buch, zweitens sucht man vergeblich nach den üblichen Anekdoten und Gruselgeschichten. Es ist im Gegenteil schwierig zu verstehen, kommt aber dennoch zu einer positiven Antwort, die allerdings zeigt, dass in die Natur dieses Ich-Bewusstseins, und das wird wieder anderen Leuten nicht behagen, keineswegs ein Sekundärphänomen von irgendwelchen Stoffwechselvorgängen darstellt, sondern dass diese Entität eine eigenständige Struktur darstellt, die allerdings in Kategorien der Physik überhaupt nicht fassbar ist. Man muss hier schon diese entwickelten Methoden sich anschauen. Und das ist natürlich nun für einige auch wiederum gar nicht schön, die einen Gedanken gewöhnt haben, dass ihr Dasein wie eine Kerzenflamme erlischt und folglich sinnlos ist. Ich weiß nicht, weshalb viele Menschen diese Auffassung so bequem finden. Ich habe den Eindruck, dass gerade diese Auffassung menschlichen Seins in seiner völligen Sinnlosigkeit nur deshalb von den Massenmedien so gerne verbreitet wird, weil man a) nichts Konkretes weiß als unseriöse Phantastereien, oder b) gewisse Leute sehen es eben sehr gerne, dass die Menschen ihr Dasein als Sinnlosigkeit empfinden, die nach einer kurzen Zeit einfach erlischt in einem Nichts. Denn wenn unsere Mitmenschen ihr Dasein als sinnlos empfinden, sind sie natürlich für jedes politische Abenteuer zu haben. Und auch dann, wenn man keine politischen Abenteuer und militärischen Abenteuer begehen will, dann kann man sich auf diese Weise ganze Generationen von Konsumtrotteln heranzüchten, die eben im Lustprinzip einen Ersatz für den fehlenden Daseinssinn sehen. Es kommt dann zu diesem radikalen Hedonismus gekoppelt mit einem außerordentlich skrupellosen Egoismus, den man allenthalben beobachten kann. Aber daran sind natürlich gewisse Kräfte interessiert. Nur so kann ich verstehen, dass diese Dinge so gerne vertreten werden. Ich meine, wenn man schon nichts über diese Dinge weiß, sollte man lieber ganz den Mund halten und sollte allerdings auch diese etwas fantasiebegabten Leutchen aus gewissen Clubs, Vereinen und Sekten auch nicht ständig zu Wort kommen lassen, die nun sich einbilden, sie hätten des Rätsels Schlüssel gefunden, und in Wirklichkeit wissen sie genauso wenig wie die anderen. Die Natur dieser Dinge ist nun mal nicht so, dass sie uns direkt eingeht. [19:56] Sprecher A: Nun haben Sie ja diesen Buchtitel bewusst sehr abstrakt gewählt: Postmortale Zustände. Wenn man das in die Umgangssprache übersetzt, würde das heißen: Zustände nach dem Tod. [20:04] Sprecher B: Genau. [20:05] Sprecher A: Fortleben nach dem Tod. [20:06] Sprecher B: Ja, genau. Das heißt, der Begriff Leben ist hier nicht ganz angebracht. Weil es ein sehr seltsamer Zustand ist, den wir uns überhaupt so nicht vorstellen können, der auf keinen Fall etwas zu tun hat mit dem, was wir Leben bezeichnen. Aber immerhin, in voller Integrität ist diese Persona vorhanden. Unter Persona verstehe ich diese mentale, ich- und identitätsbewusste, uns zur bewussten Abstraktion fähige Bewusstseinsinstanz, die eben den Menschen ausmacht. Und das nenne ich diese Personalität sozusagen, die eben jedem diese ganz individuelle Note aufdrückt. Das bezeichne ich, um einen kurzen Terminus zu haben, als Persona. Das habe ich einmal definiert in dem Buch. Ich habe mich da ein bisschen an Sigmund angelehnt, der diesen Begriff auch verwendet hat. Die Problemstellung, die ich entwickelte in dem Buch Postmortale Zustände, war die Frage— ich meine, ich weiß vom menschlichen Dasein mit Sicherheit, dass der Mensch als ein animales Wesen in diese Welt geboren wird, dass er sich aber sehr deutlich vom Hintergrund des übrigen biologischen Geschehens auf diesem Planeten abzeichnet, übrigens nicht nur subjektiv. Das würde auch ein Fremder merken, der überhaupt nicht auf diesem Gestirn geboren ist. Er zeichnet sich sehr deutlich ab, weil sich in diesem animalen Wesen eine solche mentale Persona verwirklicht. Und wir wissen, dass nach einer individuell verschiedenen Lebensspanne der Tod eintritt. Das heißt, der lebende Körper wird aus den Bereichen der Psyche und des Bios entlassen, und vollständig den Gesetzen der Physis überantwortet, während die mentale Persona, definiert in Gesetzen des Bereiches des Pneuma, nicht mehr feststellbar ist, nicht mehr wahrgenommen werden kann. Die Problemstellung muss heißen, weil wir nicht sagen können, dass alles, was wir nicht sehen, nicht existiert— es gibt eine Unmenge Dinge, die wir mit unseren Sinnesorganen überhaupt nicht annähernd aufnehmen können— die dennoch da sind. Darauf haben wir ganze physikalische Technologien aufgebaut. Aber ich meine, das bedeutet gar nichts. Die Frage ist ganz einfach, die Problemstellung: Wie ist das zeitliche Schicksal dieser Persona nach dem Geschehen des physischen Todes? Beide Antwortmöglichkeiten: Entweder sie erlischt, oder sie hat ein zeitliches Schicksal. Entweder ist das zeitliche Schicksal der Zeit 0 oder von einer Zeit größer als 0. In diesem Fall würde ein postmortaler Zustand bestehen, wie auch immer beschaffen. Nur die Frage ist, was ist das für ein Zustand, wie langfristig ist er? Das Problem wurde hier bearbeitet, und zwar wurde das ganze physikalische Bild als Basis benutzt. Ich habe dann erst die Standpunkte diskutiert. Ich habe beim besten Willen die keine logische Struktur in der Literatur gefunden. Ich habe viel Zeit aufgewendet, um die einschlägige Literatur zu diesem Gebiet zu lesen, aber ich muss sagen, das war derart enttäuschend und teilweise eine solche unglaubliche Akkumulation von Nonsens, dass ich fast resigniert habe. Kurz, ich habe keine logische Struktur gefunden, zumal die Problemstellung von der Natur der Sache her vor der Logik außerordentliche Anforderungen stellt und da geradezu riesengroße Schwierigkeiten auftreten. Nämlich zum einen bin ich als subjektives Ich gezwungen, mein eigenes subjektives Ich zum Objekt der Forschung zu machen, und zum anderen die logische Schwierigkeit: Wir können empirisch von einer Vierfachstruktur sprechen, ist aber in Wahrheit ein und dasselbe. Was wohl unseren logischen Denkgewohnheiten entspricht. Na, alles in allem habe ich dann auch nichts Vernünftiges gefunden. Das Einzige, was ich vorfand und auch immer wieder höre, sind mehr oder weniger lautstark vorgetragene Meinungen. Aber Lautstärke allein ersetzt auch noch keine logische Struktur. Und diese Meinung kann man dann in 6 Standpunkte formulieren. Die habe ich dann kurz erstmal diskutiert, aber es zeigt sich, dass die völlig unerheblich sind. Dann habe ich einen physikalischen Standpunkt konstruiert, der sich auch als unerheblich erwies, und dann diesen Gesichtspunkt der indirekten Schlussweise. Wobei man allerdings betonen muss, dass die Bezugnahme auf diese R6-Weltkonstruktion noch keineswegs eine Transzendierung bedeutet, denn die Dimensionen X5 und X6 sind zwar nicht gut vorstellbar, es sind aber genau wie die anderen Weltkoordinaten auch ganz einfach numerische Wertevorräte. Trotzdem kann man es als Bezugstensorium benutzen. Man muss sich dann aber, wenn man die indirekte Schlussweise, die ich vorhin andeutete, zum Tragen bringen will, dann muss man, wie gesagt, sich genau überlegen, welche logischen Methoden eigentlich anwendbar sind, derart, dass in die entstehenden Strukturen die Empirie des Lebendigen hineinpasst, also zum Beispiel auch die paläontologische Entfaltung der Lebewesen, dass darüber hinaus aber auch der Anschluss an die bekannten Dinge der physikalischen Theorien gegeben ist, wie gesagt, dass diese Lebensstrukturen eingebaut werden, eingepasst werden können ins Bild, und zwar lückenlos. Und es muss gefordert werden, dass dann auch diese Abstufungen der Revolutionsniveaus deutlich werden. Und wenn man das hat, dann muss man, wie gesagt, 3 Transzendierungen von Grenzbereichen durchführen. Ich habe es auch gezeigt, wie man es explizit macht. Und dann kann man natürlich die ursprüngliche Problemstellung behandeln. Nur ist das Ganze sehr schwierig. Das Buch wurde auch sehr verdichtet geschrieben, weil ich die Existenz dieser Arbeit erstmal der Öffentlichkeit vorstellen wollte. Denn ich habe hier eigentlich so aus Freude an der Sache ungefähr 30 Jahre oder 31 Jahre meines Daseins verwendet, um diesen Gedanken nachzugehen, in aller Stille und unter Ausklammerung jeder Publizität. Das war sehr bewusst durchgeführt, sehr bewusst habe ich mich dazu zurückgehalten. Aber jetzt ist es so weit, dass man diese Dinge doch einmal der Allgemeinheit vorstellen kann. Man müsste natürlich a) dieses Buch kommentieren, b) muss man dieses Gesamtbild formal wirklich entwickeln. Das wird allerdings sehr schwierig werden, wird sehr umfangreich werden, aber es würde sich vielleicht lohnen. Man kann dann absehen, dass zwar dieser sogenannte postmortale Zustand existiert, aber mit dem, was wir so unter Leben verstehen eigentlich wenig zu tun hat. Man kann einige Aussagen darüber machen, was passiert eigentlich, wenn ein Mensch aus der Agonie hinaustritt und wenn die Thanatose eintritt, das heißt, wenn der Prozess nicht mehr umkehrbar ist. Hier werden nämlich Engrammraster transkribiert in andere Codeschriften, die werden eingeschrieben. Das muss ein sehr eigenartiger Zustand sein, aber Wie gesagt, viel kann man über den Zustand nicht herleiten. Man kann nur zeigen, dass er existiert, und damit müssen wir uns anfreunden. Und der kann möglicherweise ziemlich langfristig sein. [27:58] Sprecher A: Nun machen Sie ja damit etwas sehr Merkwürdiges. Auf der einen Seite stellen Sie alles in Frage, was die Religionen oder die Propheten oder wer auch immer gesehen und berichtet haben. Gleichzeitig machen Sie aber sehr viel Hoffnung, weil Sie dem Nihilismus sehr drastisch entgegentreten. [28:17] Sprecher B: Na ja, nun stelle ich wirklich das infrage, was die Religionen gesagt haben. Haben die nicht Sachverhalte nur in anderer Sprechweise ausgedrückt? [28:25] Sprecher A: Also geht es gar nicht so sehr um die überlieferten Inhalte, sondern mehr um die Erklärungsversuche, was diese Inhalte bedeuten. Es gibt ja eine ganze Reihe von Schriften, medialen Schriften, zum Beispiel mit— [28:38] Sprecher B: da kann ich offen gesagt nicht mitreden, weil ich mich viel zu wenig mit diesen Dingen befasst habe. Ich kann das Ganze nur in den Raum stellen, man möge es sich einmal anschauen, man möge es einmal diskutieren. [28:54] Sprecher A: Was mich noch sehr beschäftigt, ist, Sie selbst sind ja dem Tod mal haarscharf entgangen, und wahrscheinlich hat Ihr ganzes Leben eine sehr drastische Wendung genommen damals. [29:07] Sprecher B: Natürlich wirkt so ein solches Ereignis schockierend, insbesondere wenn man noch sehr jung ist. Aber ich war eigentlich immer ein etwas leichtsinniger Bursche, der die Dinge nie so ernst nahm, wie sie möglicherweise wirklich waren. Das hat mir sogar mein Lehrer gesagt, ich wäre ein leichtsinniger Mensch. Aber Nun, was soll's. Ich wusste 2 Dinge. Erstens kann es sein, dass ich nie wieder als wirklicher Mensch leben kann. Aber ich wusste, nach einer Bestandsaufnahme— ich habe mich dann mir einen Arzt drangeholt— eine Bestandsaufnahme, was ist denn nun wirklich da? Ich sah ja nichts. Es war bekannt, dass der Augenhintergrund noch arbeitet. Dass ein schwaches Gehör noch vorhanden ist und dass die beiden Unterarme da sind, und zwar beide die richtige Länge für einen Spaltarm. Das war auch bekannt. So, jetzt dachte ich mir, es ist eine Frage der Geschicklichkeit, ob ich wieder lebensfähig werde und auch wieder gesellschaftsfähig werde. Also liegt das weitgehend an mir selbst. Das war die erste Erkenntnis. Die zweite: Endlich habe ich Ruhe. Diese ganze widerwärtige Zeit, die ich gehasst und verachtet habe, ist für mich vorbei. Das war das Zweite. Allerdings waren die ersten 3 Wochen gefährlich. Ich habe nämlich mitbekommen, dass ich nur deshalb in einem zivilen Krankenhaus liege, weil ich nicht transportfähig bin, und zwar in akuter Lebensgefahr. Das war mir bekannt. Ich war auch oft einfach tagsüber so weg. Nun kam aber diese typische leichtsinnige Halbstarkeneinstellung dazu. Ich dachte mir, nun ja, akute Lebensgefahr, das bedeutet, du kannst von einer Stunde zur anderen sterben. Und damit rechnen die Fachleute immerhin, die mich behandeln. Wenn das nun schon so sein muss, dann wäre es wünschenswert, wenn man voll bewusst dabei ist, um mitzukriegen, wie das eigentlich funktioniert. Das ist diese typische leichtsinnige Art des Halbstarken, wenn man so will, der man mit 19 ja doch immer noch ist. Ich wusste aber, das habe ich immer gehört, wenn Menschen in akuter Lebensgefahr sind und sterben, dann geschieht das in der Regel nachts und in den Morgenstunden. Seltener bei Tage. Also bleibt man die Nächte über wach, um darauf zu warten, zu sehen, wie das geht, und schläft tagsüber. Gut, wenn ich nächsten Morgen zum Frühstück noch da bin, dann habe ich wieder einen Tag gewonnen. Dann kann ich schlafen, dann probiere ich es eben in der nächsten Nacht wieder, wie das wird. Und ich muss sagen, das hat mich eigentlich nervlich gar nicht so sehr belastet. Und vielleicht hat das Ganze aber auch zur Heilung beigetragen, zumindest was die Augen betrifft. Denn ich habe immer nur bei Tage geschlafen und war unter Kontrolle. Die Nächte, die kritisch werden, weil niemand im Zimmer ist, man kann sich da rumwerfen, man kann rausfallen, die war ich ja wach. Konnte auf mich selbst aufpassen. Und das sagte noch mal eine Krankenschwester, der ich natürlich nicht sagte, warum ich dass ich des Nachts wach bleibe. Ich sagte, ach, das ist auch vernünftig. Tagsüber haben wir Sie unter Kontrolle und des Nachts können Sie auf sich selbst aufpassen. Und dann war diese kritische Zeit vorbei, einmal beherrscht von dem Bewusstsein, das erschreckend wirkte. Man könnte, wenn man selber versagt, plötzlich völlig ausgeblutet sein. Man wird dann ein Dahindämmernder. Lebendiger Fleischkloß, der aus irgendwelchen Gründen nicht ins Grab gekommen ist. Das ist durchaus drin bei diesem Zustand. Das ist natürlich etwas Deprimierendes, aber ich wusste, ich habe es selbst in der Hand, was aus mir wird. Wobei das Ganze wie ein Berg vor mir stand. Ich wusste nicht, wie soll man denn an die Sache überhaupt rangehen. Die erfreuliche Sache für mich war, diese widerwärtige Zeit, die ich so inbrünstig gehasst habe, vorerst mal aus. Ich meine, nachher hat sich allerdings in Lazaretten die Hühnerhof- Strategie fortgesetzt, diese Hühnerhofmentalität, aber das war sehr abgeschwächt. Mir konnte ja keiner etwas sagen. Und an diese Ausdrücke wie junger Spund hatte ich mich sowieso schon gewöhnt. Das war sowieso nicht weiter tragisch. Aber ich war aus dieser Sache raus und dann, wie gesagt, dieses Warten auf einen Tod hat Gott sei Dank nur 3 Wochen gedauert. Dann war ich aus der Krise raus, auch aus der Fieberkrise. Und nun hieß es für mich, diese Bestandsaufnahme abzusichern und zu realisieren, was zu realisieren ist. Es war so mühselig. Zum Beispiel war mir eins klar: Unabhängig davon, ob mein Sehvermögen jemals wiederkommt— vor dieser Gehörsache hatte ich ohnehin Angst, ich dass ich unter Umständen diese Brücke auch verliere. Aber macht dem, sei dem, wie ihm will. Eins ist sicher: Wenn ich mit den einfachsten Dingen des täglichen Lebens nicht fertig werde, dann werde ich nie wieder ins Leben reinkommen. Also musste man versuchen, erst hier diese Wunde, die heilte bald ab. Jetzt musste man versuchen, als die Verbände abgenommen waren, a) über den Schock wegzukommen, dass das alles so leicht ist, weil das Glied fehlt. Aber mit der üblichen Dickfälligkeit, dem Leichtsinn, hat dieser Schock eigentlich nur eine halbe Stunde gedauert. Dann musste es darauf ankommen, mit dem Rest etwas zu unternehmen. Also die Frage war, wie werde ich mit 2 solchen Unterarmen Beispielsweise mit einem Stück Seife fertig? Wie wird man eigentlich mit einem Kamm fertig, den man dann so dazwischen klemmen muss? Wie gelenkig muss ich sein, um ganz durchzukommen? Vor allem, wie werde ich auf einer Toilette fertig oder im Bad? Das waren so die ersten dringlichen Fragen. Es ging aber. Und wenn sich dann diese Dinge im täglichen Leben verbesserten, wuchs eigentlich das Selbstvertrauen immer mehr, und das ist dann so in manches dann eigentlich doch recht positiv geworden. Dann kam auch ein geringes Sehvermögen wieder, so dass ich mich alleine zurechtfand, und ich konnte dann auch von Potsdam immer alleine im Winter '44/'45 nach Berlin rüberfahren zur Nachuntersuchung. Man konnte es ohne Weiteres machen, weil die Bevölkerung so sehr freundlich war. Die Berliner Die kümmerten sich immer darum, wenn die Menschen wie mich sahen, da kommt der weiter und so. Machen sie übrigens heute auch noch. [36:32] Sprecher A: Das Leben nach dem Tod. Jürgen von Scheidt sprach mit dem Physiker Burkhard Heim. Damit ist das Nachtstudio beendet.