Burkhard Heim - Die Nicht-Reduzierbarkeit des Lebens KI-Transkription (AssemblyAI), automatische Sprechertrennung, ungeprüft. Sprecher A/B/… noch nicht namentlich zugeordnet. — Auflösung: satzweise — [0:00] Sprecher A: es eigentlich eine Möglichkeit, über den Bereich des physikalischen Modells hinauszutranszendieren, also gewisse Grenzen zu überschreiten? [0:10] Das würde bedeuten, dass man davon Kenntnis nehmen muss, dass es in dieser Welt nicht nur Kollektiven atomistisch gebauter Materie gibt. [0:25] Dann muss ich darüber Rechenschaft abgeben, dass es mindestens auf einem Gestirn dieses Universums Materie auch im Zustand des Lebens findet, ein Zustand, der sich zeitlich evolviert zu immer komplexeren Formen. [0:43] Wenn man nun Grenzen überschreiten will, dann liegt es nahe, die Grenze zu überschreiten vom Bereich des Physikalischen, des Physischen in den Bereich des Bios, des biologischen Geschehens. [0:58] Aber um diese Grenze zu überschreiten, muss man sich Rechenschaft ablegen darüber, dass die Welt entweder rein physischer Natur ist, dann ist sie auch mathematisierbar und physikalisierbar, und es besteht dann die Hoffnung, [1:17] den Lebensprozess, trotz der sich immer Komplikationen irgendwann einmal doch einheitlich zu beschreiben und auf eine Theorie der Materie zurückzuführen. [1:28] Nun könnte man einmal unterstellen und rund behaupten, diese Welt sei physischer Art. [1:36] Wenn ich jetzt eine einheitliche Beschreibung der Materie vorliegen habe und ich würde jetzt rein empirisch die Begriff des Lebens induzieren, könnte ich natürlich mit den physischen Methoden die lebenden Organismen untersuchen [1:53] und komme dann zu einer Beschreibung dieser Desoxyribonukleinsäure-Doppelhelix, die praktisch wie ein Lochstreifen zu lesen ist, ist ein kollinear zu lesender Tripletcode, und man könnte jetzt natürlich die Frage stellen, [2:10] wenn dieser weltphysischer Natur ist, dann müsste es möglich sein, alle überhaupt denkbaren Lebensstrukturen und Lebensformen einschließlich der schon vergangenen und der existierenden auf die Quantentheorie der Valenzschalen [2:29] von 6 Atomsorten, nämlich Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Phosphor und Schwefel zurückzuführen, weil das die Atomsorten sind, die die Nukleotide der aufbauen. [2:41] Aber hier vergisst man jetzt eins: Man würde ja fordern, dass man aus den logischen Sätzen eines untergeordneten Systems, nämlich des Systems der Valenzschalen, logische Sätze eines übergeordneten Systems, nämlich der Strukturen [3:01] herleitet und der Organisationen. [3:03] Das scheint mir nicht möglich zu sein. [3:05] Man betrachtet ein einer Kathedrale und stellt fest, dass die Kathedrale aus Ziegelsteinen gebaut ist. [3:11] Dann wird es ein vergebliches Bemühen sein, zu versuchen, die Architekturgesetze der Kathedrale zu begreifen, indem man einen Ziegelstein immer genauer vermisst und immer mehr über seine Eigenschaften, seine Länge, Breite, [3:26] Höhe, seine Materialzusammensetzung weiß. [3:29] Das wäre eigentlich ein völlig sinnloses Unterfangen. [3:33] Wenn ich aber andererseits die mit den Abmessungen des Ziegelsteines nicht mehr zusammenhängenden Architekturgesetze der Kathedrale als übergeordnete System logischer Sätze kenne, dann kann ich ohne Weiteres begreifen, warum [3:48] die eine oder andere Ziegelsteinsorte besonders geeignet ist, die Kathedrale zu erstellen. [3:54] So sieht es mir hier auch aus. [3:55] Ich habe zwar physikalische Gesetze der Atomhüllenstruktur und der molekularen Bindung. [4:03] Aber hierbei handelt es sich, dieses Gefühl werde ich nicht los, letzten Endes nur um die Ziegelsteine, aber nicht um die Architekturgesetze, die möglicherweise außerhalb dessen liegen, was quantitativ formulierbar ist. [4:17] Das heißt, wir müssen neben der physischen Welt mindestens noch einen Bereich von Gesetzmäßigkeiten annehmen, nämlich die Gesetze eines Bios. [4:26] Die physikalisch gar nicht vollständig formulierbar sind. [4:30] Zum Teil natürlich, weil das biologische Geschehen immer eine quantitative Komponente hat. [4:37] Aber wenn ich diesen Satz ausspreche, dann steht das im krassen Widerspruch zur gemachten Behauptung einer rein physischen Welt. [4:48] Das heißt, die Voraussetzung